Sunday, 3. april 2011
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Gestern demonstrierten einige hunderte Fans und Tierfreunde vor dem Berliner Zoo.
Hier ein Pressebericht:
Rund 100 Knut-Anhänger haben sich am Sonnabendnachmittag auf dem Hardenbergplatz vor dem Haupteingang des
Zoos eingefunden, um zu protestieren. Gegen die Präparierung von Knut. Unter den Demonstranten sind Schüler, Angestellte und Rentner – vor allem Frauen. Viele tragen T-Shirts ihres
Lieblings-Eisbären, zünden Kerzen an, legen Blumen nieder und haben Knut als Kuscheltier dabei.
„Wir wollen nicht, dass Knut ausgestopft wird“, sagt Nadine Baerwald (25) aus Steglitz. „Er wurde seit seiner Geburt vermenschlicht. Ihn auszustopfen, wäre das Gleiche, wie einen Menschen
auszustopfen“, sagt sie. „Knut sollte uns so in Erinnerung bleiben, wie er war.“ Als Präparat sei das nicht möglich. „Das Vorhaben ist geschmacklos und entwürdigend“, stimmt Anna Sophie
Tonnemacher (36) aus Charlottenburg zu. Im Naturkundemuseum würde Knut nur zur Schau ausgestellt werden. Stattdessen fordert Frau Tonnemacher ein Grabmal für den vor zwei Wochen verstorbenen
Eisbären, natürlich im Berliner Zoo.
„Die Veranstaltung ist Hysterie pur“
Der Demonstration schlossen sich nicht nur Berliner und Brandenburger an. Einige nahmen weite Wege auf sich. Marina Sciarappa (41) reiste 800 Kilometer mit dem Auto vom Bodensee an, „um für Knuts
Würde zu protestieren“. Ihm solle „nicht das Fell über die Ohren gezogen werden“. Demonstrantin Elisabeth Anrather reiste für Knut sogar aus Paris mit dem Flugzeug an. Weil sie es für eine
Sauerei hält, „wie der Zoo mit den Tieren umgeht“. Sie fordert ein Umdenken von den Verantwortlichen.
Immer wieder heizt sich die Stimmung vor dem Toren des Zoos auf. Es kommt zu tumultähnlichen Umständen, als Christian Heidt (52) aus Charlottenburg laut erklärt, Knut
könne durchaus als Präparat ins Museum kommen. „Der Eisbär sollte als Botschafter für den Lebensraum Arktis ausgestopft werden“, sagt er. Und wird dafür ausgebuht und bedrängt. Knuts Fans werfen
ihm vor, vom Zoo gekauft worden zu sein. „Diese Veranstaltung ist Hysterie pur“, entgegnet Heidt. „Die Menschen müssen akzeptieren, dass Knut nicht mehr lebt.“
Doch Knuts Fans kritisieren nicht nur die Pläne, den toten Bären als lebensgroßes Präparat im Naturkundemuseum auszustellen. Ihre Wut richtet sich auch gegen den Zoo und gegen dessen Direktor
Blaszkiewitz. Immer wieder bilden die Demonstranten Sprechchöre: „Blaszkiewitz muss weg“, rufen sie zornig. Ihrer Meinung nach sei Knut nicht artgerecht behandelt worden. „Knut hat im Zoo
gelitten“, ist sich Roswitha Klekottka-Last (67) aus Friedenau sicher. „Die hygienischen Verhältnisse waren miserabel. Das Gehege war völlig verdreckt“, bemängelt sie. „Knut mit drei Eisbärinnen
zusammen zu legen, war ein schwerer Fehler. Er wurde von ihnen nicht akzeptiert.“ Wer für den Tod von Knut verantwortlich ist, steht für sie unumstößlich fest: Der Zoo-Direktor. „Knut lebte nicht
in einem Zoo, sondern in einer Verwahranstalt“, klagt sie und schwenkt ein „Stoppt Blaszkiewitz“-Plakat. Jahrelang sei der Eisbär ein fester Bestandteil ihres Lebens gewesen: „Wenn es mir
schlecht ging, habe ich Knut besucht und glücklich den Zoo verlassen“, erzählt Klekottka-Last. „Er war ein Freund.“ Auch Anja Walter (44) aus Lichterfelde West beklagt die Haltung des Eisbären.
„Das Wasser war stets schmutzig. Außerdem hatte Knut kein Spielzeug.“
Neben der Tierhaltung diskutieren die Demonstranten weiter über die Todesursache von Knut. Viele glauben nicht, dass der Eisbär einer Gehirnentzündung erlag. „Das ist
doch eine Lüge“, sagt Christina Keuck (48) aus Tiergarten. „Der Zoo vertuscht die wahren Umstände.“ Fest steht für sie: „Knut wurde vernachlässigt.“ Sie fordert den sofortigen Rücktritt von
Blaszkiewitz und weitere Untersuchungen zur Todesursache. „Im Zoo wurde Inzucht betrieben“, sagt Thomas Meyer (49) aus Mitte. Wieder formiert sich ein lautstarker Sprechchor: „Knuts Mörder muss
weg.“ Die meisten wollen Konsequenzen ziehen aus dem Tod des Eisbären: Mit einem Boykott des Zoos.
Andere Knut-Anhänger versuchen dagegen weiterhin, den plötzlichen Tod des Eisbären zu verarbeiten. „Er war etwas ganz Besonderes“, sagt Anne Kreiner (65) aus Wilmersdorf. „Ich habe Knut als eine
Art Familienmitglied betrachtet. Er war für mich ein Symbol Berlins und schärfte mein Umweltbewusstsein.“ Anne Kreiner hofft auf ein Grabmal im Zoo. Um dort trauern zu können.
Quelle: http://www.morgenpost.de/channelsextern/bmo_ipad/ipad_titelseite/article1596603/Als-wuerde-man-Menschen-ausstopfen.html
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